Der Weg zur OP

Welche Voraussetzungen musst Du erfüllen?

  • Adipositas Grad III (krankhaftes Übergewicht mit einem BMI  BodyMassIndex größer als 40) seit mehr als 5 Jahren
  • Adipositas Grad II (krankhaftes Übergewicht mit einem BMI BodyMassIndex größer als 35) und nachgewiesener schwerer Erkrankungen, die mit dem Übergewicht im Zusammenhang stehen wie Bluthochdruck, Diabetes II , Atemaussetzer im Schlaf usw.
  • 6-12 Monate kombinierte Behandlung bestehend aus Ernährungs-, Bewegungs-, Verhaltens- und gegebenenfalls medikamentöse Therapie
  • Alter zwischen 18 und 60 Jahren
  • Maßnahmen, die das Verhalten des Übergewichtigen ändern – es darf keine ursächliche psychische Nebenerkrankung vorliegen
  • Psychiatrische Behandlung bei psychisch Kranken
  • Bereitschaft und Mitwirkung des Patienten, seinen Lebensstil nachhaltig zu ändern
  • Bereitschaft zur Investition von Zeit
  • Klarheit darüber, dass eine lebenslange Notwendigkeit zur Behandlung erforderlich ist
  • Risikobewusstsein (OP-Risiko = Bereitschaft in Gesundheit zu investieren

Von einer „Ultima ratio“ (dem letzten Lösungsweg) gemäß den Vorgaben des BSG (BundesSozialGesetz) zur bariatrischen Chirurgie (operative Maßnahme zur Bekämpfung von Übergewicht) kann ausgegangen werden, wenn alle oben genannten Einschlusskriterien erfüllt sind.

Krankrenkasse und Antragsstellung

Was sind die Voraussetzungen für eine Operation?
Was brauche ich für den Antrag bei der KK?

Für den Antrag bei der KK sollten folgende Punkte enthalten sein:
 

  • Ernährungsprotokoll (mind. 4 Wochen) Bsp Datei
  • Maßnahmenplan, welche Abnehmversuche wurden schon unternommen Bsp. Datei
  • Bescheinigung über sportl. Aktivitäten
  • Bescheinigung einer Adipositas SHG
  • Gutachten über vorhandene Erkrankungen
  • Gutachten AC Chirurg
  • Anschreiben an KK (Erfüllung des Multimodales Konzept)

Beispieldatei Ernähungsprotokolls
Beispiel datei Maßnahmen


Besuch beim MDK

Vorbereitung auf das Gespräch (Leitfaden Prävention und Therapie der Adipositas)
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/ll_050.htm

Was die Krankenkassen uns als multimodales Konzept auferlegen, bezeichnet die o.g. Leitlinie als Basisprogramm: Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.

Ferner heißt es, dass ein Programm zum Gewichtsmanagement zwei Phasen enthalten sollte.

1. Phase Gewichtsreduktion

2. Phase Gewichtserhaltung sowie langfristige Ernährungsumstellung mit einer ausgewogenen Mischkost, wie sie von der DGE empfohlen wird.

Über beide Phasen sollte eine Ernährungs- und Bewegungstherapie, wie auch schon im multimodalen Konzept hinlänglich beschrieben durchgeführt werden. Der Passus Verhaltenstherapie sagt aus:

"Verhaltenstherapeutische Ansätze KÖNNEN die Patientenmotivation bei der Einhaltung der Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen unterstützen: Der Einsatz von Techniken der Verhaltensmodifikation wird vor allem für die langfristige Gewichtsreduzierung bzw. -stabilisierung im Rahmen von Gewichtsmanagementprogrammen empfohlen."

Die wichtigsten Elemente sind: (und das kennen wir alle !):

  • Selbstbeobachtung des Ess-, Trink und Bewegungsverhaltens, z. B. mit einem Ernährungstagebuch, Bewegungsprotokoll
  • Einübung eines flexibel kontrollierten Essverhaltens
  • Erlernen von Stimuluskontrolltechniken, um Essreize zu reduzieren
  • Einsatz von Verstärkungsmechanismen (z. B. Loben), um das neue Essverhalten zu stabilisieren und Rückfälle zu vermeiden
  • Soziale Unterstützung - Rückfallprophylaxe/-management"

Arzt / Klinik

Vor- / Nachbereitung der OP

Vorbereitung

Von Operateur zu Operateur wird das Thema Flüssigphase vor der OP anders gehandhabt, klar ist jedoch, dass eine Umstellung des Lebens und vor allem der Essgewohnheiten nicht mit dem Tag der OP beginnt, sondern in jedem Fall vorher. Unter einer Flüssigkost ist auch keineswegs gemeint, dass man jetzt alles durch den Mixer jagt, es ist eher zu verstehen als Phase in der man versuchen sollte 3 Mahlzeiten mit einem Eiweißshake zu ersetzten und zwischendurch Brühe oder Gemüsebrühe zu trinken und zusätzlich 2-3 Liter Wasser oder kalorienfreie Getränke.


Nachbereitung

1. Monat
  • Vorwiegend flüssige Kost
  • Kleine Portionen von höchstens 100ml pro Stunde
  • Nahrung (zunächst vorsichtig z.B. Pudding, Jogurt sollten in dieser Phase am besten mit einem Teelöffel aufgenommen werden, (max. 3 Teelöffel auf einmal)
  • Keine kohlensäurehaltigen Getränke
  • Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln um Energie- und Eiweißmangel vorzubeugen (z.B. weiche Vollwertkost mit Fleisch, Fisch oder Hähnchen – püriert)
  • Auch eigene Zubereitung ist möglich, z.B. Gemüsesuppe mit Schinken, Fleisch, Fisch oder Geflügel, einem Ei oder Parmesankäse beigemischt, püriert und gesiebt; die Nahrung muss in dieser Phase in flüssiger Form aufgenommen werden

2. Monat
1. und 2. Woche
  • Nahrung sollte als weiche Paste (püriert) oder in Form von Babynahrung aufgenommen werden
  • Portionen von höchstens 100 bis 150ml auf einmal
  • Nahrungsmenge sollte über den gesamten Tag gleichmäßig verteilt werden
  • Nicht gemeinsam Essen und Trinken (zu großes Volumen)
  • Mindestens 1,5l Flüssigkeit pro Tag in Portionen zu 100ml verteilt aufnehmen, zwischen den Mahlzeiten
 
3. und 4. Woche
  • Nahrung gut zerkleinert und gut gekaut (12 – 15 Kaubewegungen pro Biss) aufnehmen
  • Portionen von höchstens 200ml auf einmal
  • Weiterhin nicht Essen und Trinken gemeinsam

3. Monat
  • Nun ist die Aufnahme von fester Nahrung möglich
  • Mahlzeiten in mehrere Portionen über den Tag verteilen (3 Mahlzeiten, 3 kleine Snacks)
  • Unbedingt vermieden werden müssen Soßen, gebratene oder frittierte Nahrung und stark zuckerhaltige Lebensmittel, da es hierdurch zu Kollapsneigungen (Dumping-Syndrom) kommen kann

Prinzipiell sollten faserreiche Lebensmittel vermieden werden, da diese den Übergang des kleinen Magens zum Dünndarm verlegen können wie z.B. Sellerie, Artischocken, Spargel, Schwarzwurzeln, Ananas Ebenso sollten Obst und Gemüse mit harten Schalen oder Kernen gemieden werden, wie z.B. Rosinen, Tomaten, Kiwis, Paprikaschoten, etc. Die chirurgischen Maßnahmen führen zu einer verminderten Aufnahme von Vitaminen (ca. 60-80% der Normalwerte), ohne daß die klinische Bedeutung dieser Verminderung auch im Langzeitverlauf nach der Operation bisher eindeutig wissenschaftlich geklärt ist. Daher sollte aus unserer Sicht eine prophylaktische Vitaminsubstitution erfolgen:

  • Handelsübliche Multivtamin- uns Kalzium-Brausetablette täglich
  • Vitamin B12 halbjährlich als Spritze vom Hausarzt

Die Notwendigkeit einer evtl. Eisensubstitution kann vom Hausarzt mit einer einfachen Blutuntersuchung geklärt werden.